Kurzfassung: Die europäische Leberfachgesellschaft EASL hat gemeinsam mit anderen Fachgesellschaften einen Leitfaden zur Fettleber veröffentlicht. Er beschreibt, wie Hausarztpraxis, Diabetes- und Adipositas-Ambulanzen und Leberspezialisten zusammenarbeiten sollen: Menschen mit Risikofaktoren gezielt testen, Behandlung nach Schweregrad, Weiterleitung bei Vernarbung. Rund jeder dritte Erwachsene ist betroffen 1.
Stand der Erkenntnisse: Es handelt sich um eine Konsensusempfehlung von 36 Fachleuten, keine Studie mit neuen Daten und keine systematische Auswertung. Die EASL gab sie 2024 in Auftrag; die Aussagen wurden am 23. Januar 2025 beim EASL-Fettleber-Gipfel in Estoril vorgestellt. Eingereicht am 20. Januar 2026, angenommen am 24. Februar 2026, online seit 25. Februar 2026, gedruckt im September 2026 in JHEP Reports (Band 8). Artikel erstellt am 4. Oktober 2026. Neuere Empfehlungen sind nicht berücksichtigt.
Worum geht es?
Fettleber (englisch steatotic liver disease, SLD) ist weltweit sehr häufig. Meist steckt der Stoffwechsel dahinter (MASLD), manchmal auch Alkohol oder beides. Lange verursacht sie keine Beschwerden. Entscheidend ist, ob sich Narbengewebe (Fibrose) bildet. Der Leitfaden folgt dem Weg der Betroffenen von der Vorbeugung über die Suche nach Gefährdeten bis zur Behandlung 1.
Wen sollte man testen?
Ein Test der ganzen Bevölkerung auf Leberfett wird nicht empfohlen. Geprüft werden sollen Menschen mit Risikofaktoren wie Typ-2-Diabetes, Übergewicht, Stoffwechselstörungen oder riskantem Alkoholkonsum, außerdem wer auffällige Leberwerte hat. In Diabetes-Kliniken haben laut einer Auswertung von 28 Studien mit über 10.000 Menschen rund 20 Prozent eine erhöhte Lebersteifigkeit 1.
Wie wird getestet?
Der erste Schritt ist der FIB-4, ein Rechenwert aus Alter, Leberwerten und Blutplättchen:
- Unter 1,3: Keine fortgeschrittene Vernarbung. Risikofaktoren verbessern, Wert alle 3 bis 5 Jahre neu bestimmen.
- 1,3 bis 2,67: Unklar. Risikofaktoren verbessern und nach 6 Monaten erneut messen, oder die Lebersteifigkeit messen (z. B. FibroScan, ab etwa 8 bis 12 kPa auffällig).
- Über 2,67: Hohes Risiko. Überweisung zur Leberspezialistin bzw. zum Leberspezialisten.
Bei Alkohol empfiehlt der Leitfaden kurze Fragebögen (AUDIT-C) und bei Bedarf einen Bluttest auf Alkohol (PEth), weil der Konsum oft unterschätzt wird 1.
Wie wird behandelt?
Bei nicht fortgeschrittener Fettleber bleibt die Hausarztpraxis zuständig. Basis ist der Lebensstil: mediterrane Ernährung, weniger Zucker, verarbeitete Lebensmittel und Alkohol, mindestens 150 Minuten Bewegung pro Woche. Bei Begleiterkrankungen können GLP-1-Medikamente, SGLT2-Hemmer oder in Einzelfällen Pioglitazon eingesetzt werden. In einer Studie mit Semaglutid bildete sich die Entzündung bei 62,9 Prozent zurück. Kontrolle alle 1 bis 3 Jahre. Bei FIB-4 ab 1,3 oder einer Steifigkeit ab 8 kPa gehen Betroffene zur Leberspezialistin bzw. zum Leberspezialisten. Bei Verdacht auf Zirrhose (Steifigkeit über 10 kPa) ist alle 6 Monate eine Untersuchung auf Leberkrebs sinnvoll 1.
Was gilt bei fortgeschrittener Vernarbung (Zirrhose)?
Bei Zirrhose betreuen Leberspezialisten. Ist die Leberfunktion noch gut (Child-Pugh A), sind die meisten Medikamente, auch Statine und Metformin, meist sicher. Schmerzmittel wie Ibuprofen (NSAR) werden wegen Nieren- und Blutungsrisiko ausdrücklich nicht empfohlen; Paracetamol ist kurzzeitig bis 2 bis 3 g pro Tag möglich. Bei Typ-2-Diabetes mit stark eingeschränkter Leberfunktion (Child-Pugh C) wird nur Insulin begonnen. Abnehmmedikamente sollen bei Zirrhose mangels Nachweis nicht eingesetzt werden; Semaglutid verbesserte in einer Studie bei Zirrhose weder Vernarbung noch Entzündung. Eine Magenverkleinerung (Schlauchmagen) kommt nur ohne Pfortaderhochdruck infrage, bei dekompensierter Zirrhose ist sie ausgeschlossen. Vor einer Lebertransplantation wird auch das Herz gründlich untersucht, ein BMI unter 40 ist erwünscht.
Wo sind die Grenzen?
Der Leitfaden beruht auf Expertenmeinung und vorhandener Literatur. Ob dieses Zusammenspiel im Alltag bessere Ergebnisse bringt, ist nicht belegt. Je nach Land und Ressourcen sind Tests nicht überall verfügbar. Für Zirrhose gibt es bisher kaum Medikamente mit belegtem Nutzen. Die Erstellung wurde nicht gefördert. Viele Autorinnen und Autoren geben jedoch Verbindungen zur Pharmaindustrie an (Beratung, Vortragshonorare, Forschungsförderung, vereinzelt Firmenbeteiligungen), überwiegend außerhalb dieser Arbeit; Einzelheiten stehen im Originaltext.
Was bedeutet das für mich?
Wer Typ-2-Diabetes, Übergewicht oder riskanten Alkoholkonsum hat, sollte die Leber in der Hausarztpraxis ansprechen (FIB-4). Die Werte lassen sich meist aus einer normalen Blutuntersuchung berechnen. Ob und wie behandelt wird, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.
References1
- Brouwer WP, Vonghia L, et al.. Steatotic liver disease trajectory: A holistic EASL guidance on the multidisciplinary approach to screening and patient management. JHEP Rep 2026;8:101798. doi↑
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