Kurzfassung: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenschwäche, Fettleber (MASLD) und Stoffwechselstörungen wie Diabetes und Übergewicht hängen eng zusammen. Eine Expertengruppe schlägt vor, sie in der Hausarztpraxis gemeinsam zu untersuchen und zu behandeln. Neu ist, dass die Leber fest dazugehört: Ein einfacher Rechenwert aus dem Blutbild (FIB-4) zeigt, ob eine Vernarbung der Leber wahrscheinlich ist. Das Konzept nennen sie CKLMS (kardiovaskuläres Nieren-Leber-Stoffwechsel-Syndrom, englisch cardiovascular–kidney–liver–metabolic syndrome) 1.
Stand der Erkenntnisse: Es handelt sich um eine Konsensusempfehlung von Fachleuten, nicht um eine systematische Auswertung von Studien. Die Empfehlungen entstanden in zwei Expertentreffen 2024 und 2025. Eingereicht am 14. Januar 2026, angenommen am 20. April 2026, online veröffentlicht am 28. April 2026 (European Journal of Internal Medicine 150, 2026). Artikel erstellt am 4. Oktober 2026. Neuere Leitlinien und Studien sind nicht berücksichtigt.
Worum geht es?
Herz, Nieren, Leber und Stoffwechsel beeinflussen sich gegenseitig. Typische gemeinsame Ursachen sind Bauchfett, Insulinresistenz, Bluthochdruck und erhöhte Blutfette. Fachleute behandeln diese Bereiche oft getrennt. In der Praxis kommen die Betroffenen aber zuerst zur Hausarztpraxis. Die Leber wird dort bisher selten mitgedacht, obwohl die Fettleber das Risiko für Herzinfarkt und Nierenschwäche erhöht 1.
Wie sieht der Vorschlag aus?
In der Hausarztpraxis sollen sechs Bereiche mit einfachen, verfügbaren Tests geprüft werden:
- Blutdruck: Praxismessung, wenn möglich Selbst- oder 24-Stunden-Messung.
- Blutfette: Gesamt-, HDL- und LDL-Cholesterin.
- Niere: Nierenfunktion (eGFR) und Eiweiß im Urin (Albumin-Kreatinin-Quotient).
- Leber: FIB-4 aus Alter, Leberwerten und Blutplättchen.
- Zucker: Nüchternblutzucker oder HbA1c.
- Gewicht: BMI und Bauchumfang.
Was gilt bei der Leber?
Beim FIB-4 gilt: unter 1,30 niedriges Risiko, 1,30 bis 2,67 unklar, über 2,67 hohes Risiko. Bei unklarem oder hohem Wert folgt eine Lebersteifigkeitsmessung (Elastografie). Wer niedrig liegt, wird alle 1 bis 3 Jahre erneut geprüft. Bei hohem Risiko (FIB-4 über 2,67) empfiehlt der Konsens die Überweisung zur Leberspezialistin bzw. zum Leberspezialisten. Als Behandlung nennt er zuerst Lebensstil (Gewicht, Bewegung, weniger Alkohol) und die Behandlung der Begleiterkrankungen, etwa mit GLP-1-Medikamenten, SGLT2-Hemmern oder Statinen. Resmetirom ist seit August 2025 in der EU für MASH ohne Zirrhose zugelassen 1.
Wann überweisen?
Die Hausarztpraxis bleibt Koordinatorin. Dringend überwiesen wird zum Beispiel bei Bluthochdruck-Notfällen oder rasch sinkender Nierenfunktion. Routinemäßig überwiesen wird bei schwer einstellbaren Werten oder komplexen Erkrankungen.
Wo sind die Grenzen?
Die Empfehlungen beruhen auf Expertenmeinung und bestehenden Leitlinien, nicht auf einer eigenen Studie. Ob dieser Ansatz im Alltag bessere Ergebnisse bringt, wurde nicht geprüft. Das Treffen wurde von einem Unternehmen gesponsert, und mehrere Autoren geben Beratungshonorare von Pharmafirmen an. Für Schreib- und Korrekturhilfe nutzten sie KI, die Inhalte prüften sie selbst 1.
Was bedeutet das für mich?
Wer Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht oder Nierenprobleme hat, sollte in der Hausarztpraxis auch nach der Leber fragen (FIB-4). Die Werte lassen sich meist aus einer normalen Blutuntersuchung berechnen. Ob und wie behandelt wird, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.
References1
- Kreutz R, Canbay A, Haluzik M, et al.. Assessment and management of cardiovascular–kidney–liver metabolic-syndrome in the primary care setting: A multidisciplinary consensus statement. Eur J Intern Med 2026;150:106902. doi↑
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