Kurzfassung: Die Fettleber MASLD betrifft 30 bis 35 % der Erwachsenen und erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die häufigste Todesursache bei Betroffenen. Trotzdem wird sie in der Kardiologie oft übersehen, und in der Lebermedizin wird das Herzrisiko oft unterschätzt. Ein internationales Expertenteam empfiehlt deshalb, MASLD als Herz-Stoffwechsel-Erkrankung zu behandeln: mit gemeinsamer Früherkennung, Risikoeinschätzung und Therapie.
Stand der Erkenntnisse: Die Empfehlung erschien 2026 in Nature Reviews Gastroenterology & Hepatology. Sie bezieht Studien und Zulassungen bis 2025 ein. Eine systematische Literatursuche wird nicht beschrieben. Dieser Artikel wurde am 17. Oktober 2026 erstellt; neuere Studien sind nicht berücksichtigt.
Worum geht es?
MASLD (metabolische Fettlebererkrankung, früher NAFLD) bedeutet Fett in der Leber plus mindestens einen Stoffwechsel-Risikofaktor. Sie reicht von einfacher Verfettung über Entzündung (MASH) und Vernarbung (Fibrose) bis zu Zirrhose und Leberkrebs. Weil Leber und Herz dieselben Stoffwechselprobleme teilen – Insulinresistenz, Entzündung, ungünstige Blutfette –, beeinflussen sie sich gegenseitig. Die Autoren schlagen vor, beide Fachgebiete zu verbinden.
Wie wurde untersucht?
Es handelt sich um eine Expertenempfehlung („Expert Recommendation“) von 16 Fachleuten aus Asien, Europa, den USA und Australien, keine neue Patientenstudie. Sie fasst Studien und Leitlinien zusammen und formuliert elf Empfehlungen, getrennt für Kardiologie und Hepatologie.
Was zeigt die Empfehlung?
- Herzrisiko steigt: MASLD war in einer großen Metaanalyse mit einem um 45 % erhöhten Risiko für tödliche und nicht tödliche Herz-Kreislauf-Ereignisse verbunden, bei fortgeschrittener Fibrose um 150 %. Auch Herzschwäche (50 % höher) und Vorhofflimmern (20 % höher) kommen häufiger vor.
- Nicht nur die Leber: Pro 1.000 Personenjahre starben in einer Auswertung 5,54 Menschen mit MASLD an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, 4,21 an Krebs außerhalb der Leber und 1,75 an der Leber.
- Fibrose zählt mehr als Fett: Nicht die Verfettung, sondern die Vernarbung der Leber sagt das Herzrisiko am besten voraus. Wer eine fortgeschrittene Fibrose hat, hat bis zu 2,5-fach mehr schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse als bei kaum Vernarbung.
- Einfache Tests reichen oft nicht: Bis zu 80 % der Betroffenen haben normale Leberwerte. Ultraschall erkennt Verfettung erst, wenn 20 bis 30 % der Leber betroffen sind.
- Zweistufige Suche: Zuerst der FIB-4-Index aus Alter, Leberwerten und Blutplättchen (unter 1,3 bzw. unter 2,0 ab 65 Jahren: niedriges Risiko); sonst eine Messung der Lebersteifigkeit (VCTE). Ab 8 kPa gilt eine Fibrose als bedeutsam, ab 12 bis 14 kPa als fortgeschritten, dann folgt die Überweisung zur Hepatologie.
- Herzrisiko in der Leberpraxis: Alle Menschen mit MASLD sollten Blutdruck, Blutzucker, Blutfette, Gewicht und Rauchen prüfen lassen. Fast 70 % der Betroffenen haben einen nicht gut eingestellten Bluthochdruck. Bei hohem Risiko kommen Herzuntersuchungen oder die Überweisung zur Kardiologie hinzu.
- Behandelbar: Resmetirom (März 2024) und Semaglutid (August 2025) sind in den USA vorläufig für MASH mit mittlerer bis fortgeschrittener Fibrose zugelassen. In einer Zwischenauswertung bildete sich die MASH unter Semaglutid bei 63 % zurück, unter Placebo bei 34 %.
- Mehrfachnutzen: GLP-1-Mittel gelten bei Adipositas oder Typ-2-Diabetes als erste Wahl; SGLT2-Hemmer bieten sich bei Herzschwäche oder Nierenerkrankung an. Statine sind bei Herzrisiko sicher und sollen nicht aus Sorge um die Leber vorenthalten werden.
- Alkohol: Schon rund 20 g pro Tag oder weniger hängen mit mehr Fibrose zusammen; ein Herzschutz durch mäßigen Konsum gilt als unwahrscheinlich.
- Studien zusammenführen: Herzstudien sollen Leberwerte erfassen, Leberstudien Herz-Ereignisse. Die Autoren fordern gemeinsame Leitlinien beider Fachgebiete.
Wo sind die Grenzen?
- Es handelt sich um Expertenmeinungen; eine formale Bewertung der Evidenzstärke wird nicht beschrieben.
- Für Resmetirom fehlen Langzeitdaten zu Herz-Kreislauf-Ereignissen über ein Jahr hinaus; die Wirtschaftlichkeit ist begrenzt. Die Semaglutid-Daten stammen aus einer Zwischenauswertung.
- Zulassungen gelten für die USA; wie die Therapie in anderen Ländern erstattet wird, ist nicht Thema.
- Genetische Tests werden nach heutiger Studienlage nicht für den Alltag empfohlen.
- Der vorgeschlagene Ablauf ist ein Konzept; die Umsetzung im Praxisalltag ist noch nicht geprüft.
Was bedeutet das für mich?
Die Empfehlung beschreibt Gruppen und sagt nichts über Ihr persönliches Risiko. Sie zeigt aber: Bei Fettleber sollten Herz und Leber zusammen betrachtet werden. Wer Typ-2-Diabetes, Adipositas oder Bluthochdruck hat, kann in der Hausarztpraxis nach einer Einschätzung des Fibroserisikos und des Herzrisikos fragen. Besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, welche Untersuchungen und Behandlungen für Sie sinnvoll sind.
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.
Quelle und Hinweise
- Zitat: Zhou XD, Jeong S, Chen QF, et al. Heart–liver co-management in MASLD: expert perspectives and recommendations from a multidisciplinary cardiometabolic framework. Nat Rev Gastroenterol Hepatol 2026. DOI: 10.1038/s41575-026-01255-z.
- Studienart: Expertenempfehlung (Expert Recommendation).
- Förderung: Im Text nicht ausgewiesen.
- Interessenkonflikte: Viele Autoren geben Honorare, Beratertätigkeiten oder Forschungsgelder von Pharma- und Medizintechnikunternehmen an, darunter Novo Nordisk, Boehringer Ingelheim, Eli Lilly, AstraZeneca und Gilead; mehrere nennen Aktienbesitz. Einzelne Autoren geben keine Interessenkonflikte an.
References1
- Zhou XD, Jeong S, Chen QF, et al.. Heart-liver co-management in MASLD: expert perspectives and recommendations from a multidisciplinary cardiometabolic framework. Nat Rev Gastroenterol Hepatol 2026. doi↑
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