Studie zur Gesundheitspolitik bei Fettleber (MASLD/MASH) in Europa: Wie gut sind die Länder vorbereitet?

Keine nationale Strategie in 28 Ländern: Was eine neue Auswertung über die politische Vorbereitung auf die Fettleber in Europa zeigt.

Liver & Heart Team

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4. Okt. 20263 min read118 views

Kurzfassung: Rund 30 Prozent der Erwachsenen in Europa haben eine Fettleber (MASLD), doch die Politik reagiert kaum. Eine Auswertung von 28 Ländern (EU und Großbritannien) fand keine einzige nationale Strategie speziell zu MASLD und MASH. Nur 2 Länder, Rumänien und Schweden, haben eine regionale Strategie, und kein Land führt die Erkrankung auf seiner Prioritätenliste für nicht übertragbare Krankheiten 1.

Stand der Erkenntnisse: Die Recherche der Studie umfasst Quellen bis zum 15. November 2025. Die Arbeit erschien am 25. Mai 2026 online in The Lancet Regional Health – Europe (Band 65, 2026). Artikel erstellt am 4. Oktober 2026. Neuere politische Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

Worum geht es?

Die stoffwechselbedingte Fettlebererkrankung (MASLD) ist in Europa die häufigste chronische Lebererkrankung. Eine Zusammenfassung von 18 Studien kommt auf eine Häufigkeit von 30,4 Prozent bei Erwachsenen. Ihre entzündliche Form heißt MASH. Etwa 3 Prozent der Betroffenen ohne Zirrhose entwickeln innerhalb von 15 bis 20 Jahren eine Leberzirrhose. In Europa ist die Fettleber der zweithäufigste Grund für ein Leberversagen im Endstadium und für Lebertransplantationen. Die Studie untersucht nicht die Medizin, sondern die Politik: Wie gut sind Länder darauf vorbereitet? 1

Wie wurde das geprüft?

Das Forschungsteam suchte in Datenbanken, Regierungsquellen und Fachliteratur nach Strategien, Aktionsplänen und medizinischen Leitlinien. Lokale Fachleute in den 28 Ländern prüften die Ergebnisse.

Was zeigt die Studie?

  • Keine nationale Strategie. Kein Land hat eine von der Regierung herausgegebene MASLD/MASH-Strategie. In Spanien und Großbritannien gibt es Pläne von Fachgesellschaften bzw. Organisationen.
  • Nur Erwähnungen am Rande. In 13 Ländern (46,4 Prozent) kommt die Erkrankung in anderen Strategien vor, meist zu Adipositas (10 Länder), Lebererkrankungen (8) und Diabetes (7). Oft bleibt es bei einer oberflächlichen Erwähnung.
  • Leitlinien sind weiter. 15 Länder (53,6 Prozent) haben eine nationale Leitlinie zu MASLD/MASH, 25 (89,3 Prozent) erwähnen sie in anderen Leitlinien. Bei Adipositas-Leitlinien waren es 86,4 Prozent, bei Diabetes 46,2 Prozent und in Leitlinien für die Hausarztversorgung nur 50 Prozent.
  • Missverhältnis zur Verbreitung. Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs bekommen weit mehr politische Aufmerksamkeit und Finanzierung als die Fettleber.

Warum ist das ein Problem?

Ohne politischen Rahmen wird die Fettleber oft spät erkannt, die Versorgung ist zersplittert zwischen Leber-, Diabetes- und Hausarztpraxen, und Menschen mit geringerem Einkommen werden seltener erreicht. Mit neuen Tests und erstmals zugelassenen Medikamenten wüchse der Bedarf an gut organisierter Versorgung noch 1.

Was empfehlen die Autorinnen und Autoren?

MASLD/MASH sollte in nationale Strategien zu nicht übertragbaren Krankheiten aufgenommen werden. Dazu gehören Leitlinien, Daten zur Erkennung und Beobachtung der Erkrankung und Versorgungswege, an denen Hausarztpraxis, Endokrinologie, Kardiologie und Hepatologie zusammenarbeiten. Auch gesunde Ernährung, Bewegung, weniger Alkohol und Regeln gegen ultraverarbeitete Lebensmittel nennen sie als wichtige Bausteine 1.

Wo sind die Grenzen?

Die Studie misst die politische Bereitschaft, nicht, wie gut die Versorgung tatsächlich funktioniert. Trotz gezielter Suche und Prüfung durch lokale Fachleute können Dokumente übersehen worden sein. Politik zu Ernährung, Landwirtschaft oder Steuern nennt die Leber oft gar nicht ausdrücklich. Viele Autorinnen und Autoren geben Honorare oder Förderung von Pharmafirmen an 1.

Was bedeutet das für mich?

Die Studie gibt keine Behandlungsempfehlung. Für Betroffene heißt das: Fettleber bleibt oft unbemerkt und wird nicht automatisch aktiv gesucht. Wer Diabetes, Übergewicht oder weitere Stoffwechselrisiken hat, sollte die Leber in der Hausarztpraxis ansprechen. Auf politischer Ebene fordern Fach- und Patientenorganisationen, dass Fettleber 2026 bis 2030 in WHO- und EU-Pläne aufgenommen wird.

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.

References1

  1. Lazarus JV, White TM, et al.. Assessing Europe's policy readiness to confront the MASLD/MASH public health threat. Lancet Reg Health Eur 2026;65:101713. doi↑
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