Interview: Zwei Brüder, eine Mission - Warum Christoph und Maurice Michel mit Liver & Heart Prävention früher und vernetzter denken

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Zwei Brüder, eine Mission: Christoph und Maurice Michel erzählen, wie sie mit Liver & Heart eine stille Volkskrankheit sichtbar machen. Etwa jeder dritte Erwachsene hat eine Fettleber, doch Leber, Herz und Stoffwechsel werden im Versorgungssystem noch zu selten zusammen gedacht. Maurice erklärt, warum frühe Erkennung entscheidend ist, wo die größte Lücke in der heutigen Versorgung liegt und wie Liver & Heart Menschen von Education über Orientierung bis zur passenden Versorgung begleiten will.

Liver & Heart Team

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20. Sep. 20264 min read475 views
Interview: Zwei Brüder, eine Mission - Warum Christoph und Maurice Michel mit Liver & Heart Prävention früher und vernetzter denken

Christoph: Maurice, wir sind Brüder und haben Liver & Heart gemeinsam mit zwei weiteren Co-Foundern aus der Tech-Branche gegründet. Wie ist es für dich, als Brüder gemeinsam ein Unternehmen aufzubauen?

Maurice: Besonders - und gleichzeitig erstaunlich natürlich. Wir kennen uns unser ganzes Leben, können sehr offen miteinander diskutieren und wissen, dass wir uns aufeinander verlassen können. Gleichzeitig bringen wir unterschiedliche Perspektiven mit: Du mit dem Business-Hintergrund und ich aus der Medizin. Gerade beim Aufbau eines Unternehmens finde ich diese Kombination sehr wertvoll: Man kann sich gegenseitig herausfordern, ohne das gemeinsame Ziel aus den Augen zu verlieren.

Christoph: Die Idee zu Liver & Heart kommt stark aus deiner medizinischen Arbeit. Was hat dich ursprünglich an diesem Thema beschäftigt?

Maurice: In meiner täglichen Arbeit als Arzt mit dem Schwerpunkt Leber sehe ich immer wieder Menschen mit einer Fettleber, bei denen gleichzeitig Übergewicht/Adipositas, Diabetes, Bluthochdruck oder erhöhte Blutfette eine Rolle spielen. Medizinisch gehören diese Dinge eng zusammen – im Versorgungssystem werden sie aber häufig noch getrennt betrachtet.

Genau das hat mich zunehmend beschäftigt: Wir wissen heute viel darüber, wie diese Risikofaktoren zusammenhängen und wie man Erkrankungen früh erkennen und beeinflussen kann. Dieses Wissen kommt aber noch nicht immer dort an, wo es gebraucht wird.

Christoph: Warum eigentlich Liver & Heart? Was verbindet Leber und Herz?

Maurice: Vor allem gemeinsame Risikofaktoren: Übergewicht/Adipositas, Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und erhöhte Blutfette beeinflussen sowohl die Leber- als auch die Herzgesundheit.

Ein gutes Beispiel ist die metabolische Fettleber, kurz MASLD. Sie betrifft einen erheblichen Anteil der erwachsenen Bevölkerung und ist häufig ein Zeichen dafür, dass der Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Für uns ist deshalb wichtig, nicht nur auf ein einzelnes Organ zu schauen. Leber, Herz und Stoffwechsel gehören zusammen – und Prävention sollte diese Zusammenhänge ebenfalls berücksichtigen.

Christoph: Warum ist die Fettleber dabei so wichtig?

Maurice: Weil wir früh etwas verändern können. Eine Fettleber und die zugrunde liegenden Risikofaktoren sollten ernst genommen werden - lange bevor eine fortgeschrittene Lebererkrankung entsteht. Durch Lebensstil, Gewichtsreduktion und die gezielte Behandlung von Risikofaktoren lässt sich viel beeinflussen.

Gleichzeitig ist Fettleber nicht gleich Fettleber. Bei einem Teil der Betroffenen entwickelt sich eine Leberfibrose, also eine zunehmende Vernarbung der Leber. Diese frühzeitig zu erkennen ist wichtig, weil sie langfristig zu einer fortgeschrittenen Lebererkrankung führen kann.

Christoph: Und lässt sich eine solche Vernarbung früh erkennen?

Maurice: Ja. Genau daran arbeite ich seit vielen Jahren in Forschung und klinischer Praxis. Heute können wir das Risiko einer relevanten Leberfibrose bei vielen Menschen bereits mit nicht-invasiven Verfahren einschätzen – zum Beispiel anhand von Blutwerten oder durch die Messung der Lebersteifigkeit.

Das Entscheidende ist: Dafür ist nicht immer eine invasive Untersuchung notwendig. Gleichzeitig ist dieses Wissen außerhalb der spezialisierten Lebermedizin noch nicht überall ausreichend angekommen und in vielen Behandlungspfaden noch nicht fest verankert.

Christoph: Wo liegt für dich die größte Lücke in der heutigen Versorgung?

Maurice: In der Verbindung. Wenn jemand eine Fettleber hat oder mehrere Stoffwechsel-Risikofaktoren, entstehen schnell ganz konkrete Fragen: Wie ernst ist das? Was sollte ich jetzt untersuchen lassen? Muss ich zu einem Spezialisten? Was kann ich selbst verändern? Und an wen wende ich mich überhaupt?

Die medizinischen Informationen sind häufig vorhanden - aber für viele ist es nicht einfach, daraus den nächsten sinnvollen Schritt abzuleiten.

Genau hier erleben wir eine Versorgungslücke: Die einzelnen Fachbereiche wissen viel, aber der Weg zwischen den verschiedenen Bereichen ist häufig nicht klar.

Christoph: Was macht Liver & Heart heute konkret?

Maurice: Heute liegt unser Schwerpunkt auf Education und Orientierung. Ein zentraler Einstieg ist unsere sechsstufige Journey „Lebergesundheit verstehen“. Sie vermittelt Schritt für Schritt, was eine Fettleber bedeutet, welche Risikofaktoren relevant sind und welche diagnostischen Möglichkeiten es gibt.

Unser KI-gestützter Companion unterstützt dabei, medizinische Informationen und Gesundheitswerte besser zu verstehen und zu strukturieren. Dabei ist uns eine klare Grenze wichtig: Er soll Orientierung geben - nicht diagnostizieren und schon gar nicht den Arzt ersetzen.

Wir wollen Menschen in die Lage versetzen, ihre eigene Gesundheit besser zu verstehen und informierter mit medizinischen Ansprechpartnern in Kontakt zu treten.

Christoph: Und wohin entwickelt sich Liver & Heart?

Maurice: Der nächste Schritt ist Care Navigation - also Orientierung auf dem Weg in die passende Versorgung.

Information allein reicht nicht. Wenn jemand erfährt, dass eine Fettleber festgestellt wurde, sollte er nicht selbst herausfinden müssen, welche Untersuchung als Nächstes sinnvoll ist, welcher Ansprechpartner geeignet ist oder wann eine spezialisierte Abklärung notwendig wird.

Unser Ziel ist es deshalb, Menschen Schritt für Schritt durch diesen Prozess zu begleiten und - wo sinnvoll - mit den passenden medizinischen Ansprechpartnern und spezialisierten Zentren zu verbinden.

So wollen wir aus Education und Orientierung einen konkreten Weg in die passende Versorgung schaffen.

Christoph: Unser Gründungsteam kommt aus unterschiedlichen Perspektiven. Warum ist diese Kombination für Liver & Heart wichtig?

Maurice: Weil keine einzelne Perspektive diese Herausforderung allein lösen kann.

Medizinische Expertise ist entscheidend, aber sie allein verändert noch nicht die Versorgung. Technologie kann Prozesse vereinfachen und Informationen zugänglicher machen, aber Technologie allein ersetzt ebenfalls keine medizinische Expertise.

Wir versuchen deshalb, beides zusammenzubringen: medizinisches Wissen, digitale Lösungen und die Perspektive der Menschen, die sich in unserem Gesundheitssystem orientieren müssen.

Christoph: Wo möchtest du Liver & Heart in fünf Jahren sehen?

Maurice: Ich würde mir wünschen, dass es ganz selbstverständlich ist, Leber, Herz und Stoffwechsel gemeinsam zu betrachten. Dass Menschen nicht erst dann aktiv werden, wenn eine Erkrankung weit fortgeschritten ist, sondern früher verstehen, welche Risiken sie haben und was sie selbst beeinflussen können.

Wenn wir dazu beitragen, dass aus Prävention konkrete Orientierung und daraus bessere Versorgung wird, dann haben wir mit Liver & Heart viel bewegt.

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