Kurzfassung: Eine Übersichtsarbeit aus der Zeitschrift für Gastroenterologie fasst zusammen, wie sich die Behandlung der Fettleber-Entzündung (MASH) verändert. Mit Resmetirom ist seit 2025 erstmals ein Medikament speziell für MASH in Europa zugelassen. Weitere Wirkstoffe wie Semaglutid, Tirzepatid und FGF21-Analoga zeigen in Studien, dass sich Entzündung und Vernarbung der Leber zurückbilden können. Die Grundlage bleibt aber ein gesunder Lebensstil 1.
Stand der Erkenntnisse: Die Arbeit wurde am 7. April 2026 eingereicht, nach Überarbeitung am 12. Juni 2026 angenommen und am 23. September 2026 online veröffentlicht (Zeitschrift für Gastroenterologie 2026; 64: 1250–1260). Die Angaben zum Zulassungsstand reichen bis März 2026. Artikel erstellt am 4. Oktober 2026. Neuere Studien und Zulassungen sind nicht berücksichtigt.
Worum geht es?
Die stoffwechselbedingte Fettlebererkrankung (MASLD) betrifft weltweit mehr als 30 Prozent der Menschen. Bei einem Teil entwickelt sich daraus eine Entzündung der Leber, die MASH. Sie kann zu Vernarbung (Fibrose), Leberzirrhose und Leberkrebs führen. Entscheidend für die Prognose ist das Stadium der Vernarbung. Bis 2025 gab es in Europa kein zugelassenes Medikament gegen MASH, nur Lebensstil-Änderungen und die Behandlung von Begleiterkrankungen 1.
Was ist weiterhin die Grundlage?
Der Lebensstil bleibt die Basis. Ein Gewichtsverlust von mindestens 5 Prozent verringert das Leberfett, ab 7 bis 10 Prozent bessert sich die Entzündung, ab 10 Prozent kann sich die Vernarbung zurückbilden. Empfohlen sind eine mediterrane Ernährung, wenig zuckerhaltige Getränke und mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche. Auch bei Normalgewicht verbessert Bewegung das Leberfett 1.
Welche Medikamente gibt es?
Resmetirom (Tablette, wirkt über einen Schilddrüsenhormon-Rezeptor in der Leber): In der Studie MAESTRO-NASH mit 966 Patientinnen und Patienten bildete sich die Entzündung ohne Verschlechterung der Vernarbung bei 25,9 bis 29,9 Prozent zurück, unter Placebo bei 9,7 Prozent. Die Vernarbung besserte sich bei 24,2 bis 25,9 Prozent, unter Placebo bei 14,2 Prozent. Häufigste Nebenwirkungen waren Durchfall und Übelkeit zu Beginn. Zugelassen ist es in der EU seit August 2025 für MASH ohne Zirrhose mit mittlerer bis fortgeschrittener Vernarbung (Stadium F2 bis F3).
Semaglutid (wird gespritzt, ursprünglich gegen Diabetes und Übergewicht): In der Studie ESSENCE mit 1.197 Teilnehmenden bildete sich die Entzündung nach 72 Wochen bei 62,9 Prozent zurück (Placebo: 34,3 Prozent). Die Vernarbung besserte sich bei 36,8 Prozent (Placebo: 22,4 Prozent). Das Gewicht sank im Schnitt um 10,5 Prozent. In den USA seit August 2025 zugelassen, in Europa seit März 2026 bedingt zugelassen.
Tirzepatid und Survodutid (Doppel-Wirkstoffe): In kleineren Phase-2-Studien bildete sich die Entzündung deutlich häufiger zurück als unter Placebo, bei der Vernarbung waren die Unterschiede nicht eindeutig. Noch nicht für MASH zugelassen.
FGF21-Analoga (z. B. Efruxifermin, Pegozafermin): Vielversprechende Phase-2-Ergebnisse, auch bei Zirrhose. Noch in der Entwicklung.
Lanifibranor: In einer Phase-2b-Studie mit 247 Patienten bildete sich die Entzündung bei 49 Prozent zurück (Placebo: 22 Prozent). Phase-3-Ergebnisse stehen aus.
SGLT2-Hemmer und Pioglitazon: Sie sind für Diabetes und andere Erkrankungen zugelassen. Eine eigene MASH-Therapie sind sie laut den Leitlinien nicht.
Für wen kommt eine Behandlung in Frage?
Vor allem für Menschen mit „at-risk“-MASH, also Entzündung mit mindestens mittlerer Vernarbung (Stadium F2 oder höher). Feststellen lässt sich das mit schonenden Verfahren wie der Lebersteifigkeitsmessung (z. B. FibroScan) oder Blutscores. Ein einfacher Blutwert wie FIB-4 reicht allein nicht aus. Bei Leberzirrhose ist Resmetirom nicht zugelassen. Dafür laufen Studien mit über 700 Betroffenen 1.
Wo sind die Grenzen?
Ein Teil der Zahlen stammt aus Zwischenauswertungen oder kleineren Phase-2-Studien. Langzeitdaten zu Todesfällen, Lebertransplantationen und Leberkrebs fehlen noch. Die Autoren geben Beratungshonorare von mehreren Pharmafirmen an 1.
Was bedeutet das für mich?
Wer Fettleber, Übergewicht oder Typ-2-Diabetes hat, sollte mit der Hausarztpraxis über die Leber sprechen und das Vernarbungsrisiko prüfen lassen. Ob ein Medikament in Frage kommt, entscheidet die Hepatologie nach Messung der Vernarbung. Medikamente ersetzen keinen Lebensstilwandel, sondern ergänzen ihn.
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.
References1
- Barton A, Schattenberg JM. Neue Therapieansätze bei MASH: Mechanismen und klinisches Potenzial (New Therapeutic Approaches for MASH: Mechanisms and Clinical Promise). Z Gastroenterol 2026;64:1250-1260. doi↑
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