Studie zur Entwicklung von Leberkrebs weltweit im 21. Jahrhundert: Mehr Fälle, neue Ursachen

Weltweit gibt es mehr Leberkrebsfälle als im Jahr 2000. Die Studie zeigt, welche Ursachen an Bedeutung verlieren und welche zunehmen.

Liver & Heart Team

Liver & Heart Team

Author

6. Okt. 20263 min read66 views

Kurzfassung: Weltweit erkranken und sterben heute deutlich mehr Menschen an Leberkrebs als im Jahr 2000: 2023 waren es 578.132 neue Fälle und 507.716 Todesfälle. Pro 100.000 Einwohner sind die Raten seit 2000 gesunken, steigen aber seit etwa 2020 wieder. Virushepatitis bleibt die häufigste Ursache, ihr Anteil schrumpft. Am schnellsten wächst Leberkrebs durch Fettleber (MASLD) 1.

Stand der Erkenntnisse: Es handelt sich um eine Studie mit eigenen Auswertungen vorhandener Großdatenbanken (Global Burden of Disease 2023 und Sterbedatenbank der WHO), keine systematische Übersichtsarbeit. Die Daten reichen von 2000 bis 2023 (Todesursachen nach Land und Krebsart bis 2021). Online erschienen am 2. Juli 2026, gedruckt im Oktober 2026 im Journal of Hepatology (Band 85, Heft 4). Artikel erstellt am 6. Oktober 2026. Neuere Daten sind nicht berücksichtigt.

Worum geht es?

Gemeint ist primärer Leberkrebs, meist das hepatozelluläre Karzinom (HCC) und seltener das intrahepatische Gallengangskarzinom (iCCA). Er ist weltweit die dritthäufigste krebsbedingte Todesursache und sehr gefährlich: Die Zahl der Todesfälle liegt fast so hoch wie die der Neuerkrankungen. Die Studie fragt, wie sich Häufigkeit und Ursachen seit dem Jahr 2000 verändert haben.

Was zeigt die Studie?

Die Zahl der Neuerkrankungen stieg von 362.689 (2000) auf 578.132 (2023), ein Plus von 59,4 Prozent. Die Todesfälle stiegen von 325.809 auf 507.716 (plus 55,8 Prozent). Gleichzeitig sanken die altersbereinigten Raten, also die Raten, die Bevölkerungswachstum und Alterung herausrechnen: von 7,05 auf 6,37 Neuerkrankungen pro 100.000 Personen. Die Zunahme der Fallzahlen liegt also vor allem daran, dass es mehr und ältere Menschen gibt. Seit etwa 2020 steigen aber auch die altersbereinigten Raten wieder.

Welche Ursachen spielen eine Rolle?

Im Jahr 2023 gingen 37,9 Prozent der Fälle auf Hepatitis B zurück, 29,6 Prozent auf Hepatitis C, 18,7 Prozent auf Alkohol und 7,9 Prozent auf Fettleber (MASLD). Der Anteil der Virushepatitis sank von 71,9 auf 67,5 Prozent. Fettleber-bedingter Leberkrebs nahm mit 3,2 Prozent pro Jahr am stärksten zu. Seit 2020 steigen auch Hepatitis-B- und Hepatitis-C-bedingte Raten wieder, nach Jahren des Rückgangs. Regional unterscheiden sich die Ursachen stark: Hepatitis B dominiert in Ostasien und im südlichen Afrika, Hepatitis C im Nahen Osten, Nordafrika und Amerika, Alkohol in Europa und Australien/Neuseeland. Die höchste Rate hatte die Mongolei (67,84 pro 100.000).

Und die Gallengangskrebse?

Bei intrahepatischen Gallengangskrebsen (iCCA) stiegen die Sterberaten in den meisten Ländern, nur in Griechenland, Japan und Singapur sanken sie. Die Autorinnen und Autoren fordern eigene Forschung zu Gallengangskrebs.

Wo sind die Grenzen?

Die Datenbank unterscheidet nicht zwischen HCC und iCCA. Datenqualität und Diagnose-Kodierung schwanken je nach Region, und manche Trends können auf veränderte Diagnose- und Meldepraxis zurückgehen. Warum die Raten seit 2020 wieder steigen, ist unklar: Denkbar sind Folgen der Corona-Pandemie (spät erkannte Krebserkrankungen) oder mehr erfasste Krebsregister in der neuen Datenversion. Seltene Ursachen wie Hämochromatose waren nicht verfügbar. Die Autorinnen und Autoren erhielten keine studienspezifische Förderung; einzelne nennen Verbindungen zu Pharmafirmen (z. B. Gilead, AstraZeneca, Novo Nordisk, Madrigal).

Was bedeutet das für mich?

Die meisten Leberkrebse entstehen auf dem Boden erkennbarer und behandelbarer Lebererkrankungen. Hepatitis-B-Impfung, Behandlung von Hepatitis B und C, weniger Alkohol und ein gesundes Gewicht senken das Risiko. Wer Hepatitis, Zirrhose, Fettleber mit Vernarbung oder riskanten Alkoholkonsum hat, sollte mit der ärztlichen Praxis über Kontrollen sprechen. Ob und welche Untersuchungen sinnvoll sind, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.

References1

  1. Khan SA, Vithayathil M, Yip TCF, El-Serag HB. The changing epidemiology of primary liver cancer in the 21st century. J Hepatol 2026;85(4):656-668. doi↑
Liver & Heart Team

Written by

Liver & Heart Team