Herz, Niere, Leber, Stoffwechsel: Die weltweite Krankheitslast 1990–2023

Eine globale Studie zeigt: Die altersbereinigte Last durch Herz-, Nieren-, Leber- und Stoffwechselerkrankungen sinkt, doch Typ-2-Diabetes und Adipositas nehmen zu.

Liver & Heart Team

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17. Okt. 20264 min read34 views
Herz, Niere, Leber, Stoffwechsel: Die weltweite Krankheitslast 1990–2023

Kurzfassung: Weltweit gingen 2023 rund 627 Millionen gesunde Lebensjahre durch Herz-Kreislauf-, Nieren-, Leber- und Stoffwechselerkrankungen verloren. Pro 100.000 Menschen gerechnet sank die Last seit 1990 um 24,4 %, weil Herzinfarkte und Schlaganfälle seltener tödlich verlaufen. Gleichzeitig nehmen Typ-2-Diabetes (+37,5 %) und Adipositas (+23,3 %) zu.

Stand der Erkenntnisse: Die Studie nutzt Schätzungen der Global-Burden-of-Disease-Studie 2023 für die Jahre 1990 bis 2023. Die Literatursuche der Autoren in PubMed reichte bis zum 16. Mai 2026. Die Arbeit ist am 22. August 2026 online erschienen. Dieser Artikel wurde am 17. Oktober 2026 erstellt; neuere Studien sind nicht berücksichtigt.

Worum geht es?

Herz, Nieren, Leber und Stoffwechsel hängen eng zusammen: Wer stark übergewichtig ist oder Typ-2-Diabetes hat, hat häufiger auch Gefäßverkalkung, eine chronische Nierenerkrankung und eine Fettleber. Die Autoren fassen diese fünf Erkrankungen zu einem gemeinsamen Rahmen zusammen, dem „kardiovaskulär-renal-leber-metabolischen“ Komplex (englisch CKLM). Die Leberkomponente ist die metabolisch bedingte Fettlebererkrankung (MASLD, früher NAFLD).

Wie wurde untersucht?

Die Forschenden aus Singapur werteten die Daten der Global-Burden-of-Disease-Studie 2023 aus, die Schätzungen für 204 Länder und Gebiete liefert. Sie betrachteten Sterblichkeit und „DALYs“. Ein DALY steht für ein verlorenes gesundes Lebensjahr, entweder durch vorzeitigen Tod oder durch Leben mit Krankheit. Die Daten wurden nach Alter, Geschlecht, Weltregion und sozio-demografischem Index (SDI) aufgeteilt. Der SDI fasst Bildung, Einkommen und Geburtenrate eines Landes zusammen. Es handelt sich um eine beschreibende Auswertung vorhandener Schätzungen, nicht um eine neue Untersuchung von Patientinnen und Patienten.

Was zeigt die Studie?

  • Gesamtlast 2023: 626,7 Millionen DALYs und 23,2 Millionen Todesfälle; 132,9 Millionen Neuerkrankungen. Seit 1990 stieg die absolute Zahl der DALYs um 71,2 %, vor allem weil die Weltbevölkerung wächst und älter wird.

  • Altersbereinigt besser: Rechnet man die Altersstruktur und das Bevölkerungswachstum heraus, sank die Last pro 100.000 Menschen von 1990 bis 2023 um 24,4 %. Haupttreiber ist die Gefäßverkalkung mit Herzinfarkt und Schlaganfall (−41,5 %).

  • Aber: Typ-2-Diabetes (+37,5 %) und Adipositas (+23,3 %) belasten die Gesundheit pro Kopf zunehmend. Bei der Fettleber lag der Anstieg bei +1,8 %; die Unsicherheit ist groß (−33,3 % bis +37,0 %), ein Trend ist daher nicht sicher.

  • Anteile 2023: Gefäßverkalkung 56,5 %, Adipositas 21,6 %, Typ-2-Diabetes 13,8 %, Nierenerkrankung 7,5 %, Fettleber 0,6 % der Gesamtlast.

  • Leber: Die altersbereinigte MASLD-Last betrug 39,6 DALYs pro 100.000 Menschen. Am höchsten war sie in Ländern mit mittlerem SDI (48,1). Die MASLD-Last erreichte ihren Gipfel bereits bei den 60- bis 64-Jährigen, mindestens fünf Jahre vor der Gefäßverkalkung.

  • Frühe Lebensjahre: Die Last stieg zwischen 1990 und 2023 besonders bei 30- bis 34-Jährigen (+59,1 %). Männer waren stärker betroffen als Frauen (8.102 gegenüber 5.872 DALYs pro 100.000).

  • Ungleichheit: Die Gefäßverkalkung nahm in Ländern mit hohem SDI um 54,0 % ab, in Ländern mit niedrigem SDI nur um 6,8 %. In den Gebieten mit niedrig-mittlerem SDI stieg zugleich die Last durch Adipositas um 112,4 % und durch Typ-2-Diabetes um 74,4 %.

  • Gemeinsame Risikofaktoren: Rechnerisch würde die Last am stärksten sinken, wenn hoher Blutdruck (−32,0 %), ungünstige Ernährung (−24,0 %), hoher Blutzucker (−21,9 %) und hoher Body-Mass-Index (−13,8 %) auf das theoretisch günstigste Niveau gesenkt würden.

Wo sind die Grenzen?

  • Die Zahlen sind Modellschätzungen. In vielen Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen fehlen verlässliche Todesursachen- und Diagnosedaten, die Unsicherheit ist dort größer. Die tatsächliche Last könnte dort unterschätzt sein.

  • Die fünf Erkrankungen überlappen sich und lassen sich mit den Daten nicht sauber trennen. Die Gesamtlast ist eine Summe, keine Aufteilung ohne Doppelzählung.

  • Adipositas wird in der Global-Burden-Methodik als Risikofaktor und nicht als eigene Krankheit gerechnet; ihre Werte sind besonders unsicher.

  • Gemeinsame Risikofaktoren, umgekehrte Ursache-Wirkung und unterschiedlicher Zugang zur Versorgung können die Ergebnisse verzerren. Die Rechnung zu den vier Risikofaktoren geht von Unabhängigkeit aus und ist eine Obergrenze.

  • Weitere Stoffwechselstörungen wie Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen sind als Ursachen nicht eingerechnet.

  • Altersbereinigte Raten beruhen auf der Global-Burden-Standardbevölkerung und fallen niedriger aus als mit dem WHO-Standard; Vergleiche mit anderen Studien sind nur eingeschränkt möglich.

  • Die Studie ist rein beschreibend und kann keine Ursachen belegen.

Was bedeutet das für mich?

Die Studie beschreibt die Weltbevölkerung und sagt nichts über Ihr persönliches Risiko. Sie zeigt aber, dass Herz, Nieren, Leber und Stoffwechsel gemeinsam betrachtet werden sollten: Blutdruck, Blutzucker, Ernährung und Gewicht wirken auf alle vier Bereiche. Für die Leber heißt das, dass eine Fettleber (MASLD) oft zusammen mit Adipositas und Typ-2-Diabetes auftritt und dass die Belastung schon in der Lebensmitte ihren Gipfel erreicht. Wer solche Risikofaktoren hat, kann mit seiner Ärztin oder seinem Arzt besprechen, welche Vorsorge und welche Maßnahmen sinnvoll sind.

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.

Quelle und Hinweise

  • Zitat: Jayabaskaran J, Himan HR, Nagarajan S, et al. The global cardiovascular-kidney-liver-metabolic burden from 1990 to 2023. eClinicalMedicine 2026;99:104155. DOI: 10.1016/j.eclinm.2026.104155. Online veröffentlicht am 22. August 2026, frei zugänglich (CC BY-NC-ND).

  • Studienart: Beschreibende epidemiologische Auswertung der Global-Burden-of-Disease-Studie 2023 (204 Länder und Gebiete, 1990–2023).

  • Förderung: National Medical Research Council Research Transition Award und CSDU Clinician-Scientist Grant (Singapur). Die Geldgeber hatten keinen Einfluss auf Planung, Auswertung und Berichterstattung.

  • Interessenkonflikte: Mehrere Autoren geben Honorare, Forschungsgelder oder Beratertätigkeiten von Pharma- und Medizintechnikunternehmen an, darunter Novo Nordisk, Eli Lilly und Boehringer Ingelheim; ein Autor nennt Aktienbesitz. Die übrigen Autoren haben keine Interessenkonflikte.

References1

  1. Jayabaskaran J, Himan HR, Nagarajan S, et al.. The global cardiovascular-kidney-liver-metabolic burden from 1990 to 2023. eClinicalMedicine 2026;99:104155. doi↑
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